LST (Low Stress Training) für Cannabis: Wissenschaftliche Anleitung für maximale Erträge

LST Low Stress Training Cannabis gebogene Triebe horizontal Pflanzentraining

LST (Low Stress Training) für Cannabis: Wissenschaftliche Anleitung für maximale Erträge

Aktualisiert: Februar 2026 | Lesezeit: 15 Minuten

Low Stress Training (LST) zählt zu den effektivsten und anfängerfreundlichsten Anbautechniken im kontrollierten Cannabis-Anbau. Durch sanftes Biegen und Fixieren der Pflanzentriebe lassen sich Erträge um 15-30% steigern, ohne die Pflanze durch invasive Eingriffe zu belasten. Im Gegensatz zu High-Stress-Techniken wie Topping oder FIM erfolgt beim LST keine Gewebeschädigung, wodurch das Wachstum nicht unterbrochen wird.

Dieser wissenschaftlich fundierte Leitfaden erklärt die biologischen Grundlagen des LST, bietet detaillierte Implementierungsstrategien und identifiziert die optimal geeigneten Cannabis-Genetiken für diese Methode.

Was ist Low Stress Training (LST)?

Low Stress Training bezeichnet eine nicht-invasive Pflanzenerziehungstechnik, bei der Triebe durch sanftes Biegen und Fixieren in eine horizontale oder laterale Wachstumsrichtung gelenkt werden. Das Ziel besteht darin, die apikale Dominanz zu brechen und eine gleichmäßige Lichtverteilung über sämtliche Blütenstände zu gewährleisten Low Stress Training Tutorial.

Das biologische Prinzip: Apikale Dominanz

Cannabis-Pflanzen zeigen natürlicherweise eine ausgeprägte apikale Dominanz – das Phänomen, bei dem der Haupttrieb (apikale Meristem) dominant wächst und die Entwicklung lateraler Triebe durch hormonelle Regulation (Auxine) unterdrückt. Diese evolutionäre Anpassung ermöglicht es Pflanzen, in natürlichen Habitaten nach Licht zu streben.

Im kontrollierten Indoor-Anbau erweist sich diese Strategie jedoch als suboptimal: Nur die oberste Cola erhält maximale Lichtintensität, während untere Bereiche unterbelichtet bleiben. LST durchbricht diese Dominanzhierarchie durch mechanische Intervention:

  • Horizontale Positionierung des Haupttriebs: Reduziert die hormonelle Suppression lateraler Triebe
  • Gleichmäßige Lichtexposition: Sämtliche Blütenstände befinden sich in vergleichbarer Distanz zur Lichtquelle
  • Erhöhte Photosynthese-Fläche: Mehr Blattfläche in optimaler PPFD-Zone (Photosynthetic Photon Flux Density)

Das Resultat: Statt einer dominanten Cola entwickeln sich multiple gleichwertige Blütenstände – eine flache, breite Kronenstruktur mit maximal 10-20 Hauptblüten anstelle einer einzelnen.

Die besten Cannabis-Samen für LST-Training

Möchten Sie LST selbst anwenden? Diese Sorten wurden speziell für ihre außergewöhnliche LST-Responsivität ausgewählt: flexible Stängel, natürliche Seitenverzweigung und nachweislich 15-30% höhere Erträge durch Training. Feminisierte Premium-Samen von etablierten Züchtern – perfekt für Anfänger und erfahrene Grower, die maximale Resultate aus drei erlaubten Pflanzen herausholen möchten.

Wissenschaftlich nachgewiesene Vorteile von LST

1. Ertragssteigerung ohne Wachstumsverzögerung

Kontrollierte Anbauversuche dokumentieren eine Ertragssteigerung von 15-30% gegenüber untrainierten Pflanzen. Der entscheidende Vorteil gegenüber High-Stress-Techniken: Keine Erholungsphase erforderlich – die Pflanze wächst kontinuierlich weiter.

Vergleich:

  • Topping: 3-7 Tage Wachstumsstillstand nach Schnitt
  • FIM: 3-5 Tage Erholungsphase
  • LST: 0 Tage – kontinuierliches Wachstum

2. Optimierte Lichtnutzungseffizienz

LST maximiert die photosynthetisch aktive Blattfläche in der optimalen Lichtzone. Während bei vertikalem Wachstum die Lichtintensität exponentiell mit der Distanz abnimmt (Inverse-Square-Law), gewährleistet LST eine nahezu identische PPFD für alle Blütenstände.

Messbare Effekte:

  • Erhöhte Gramm-pro-Watt-Effizienz (GPW-Ratio)
  • Homogenere Trichom-Entwicklung (gleichmäßigere Cannabinoid-Konzentrationen)
  • Minimierung minderwertiger „Popcorn-Buds“

3. Höhenkontrolle für diskrete Kultivierung

LST reduziert die Vertikalhöhe um 30-50% gegenüber untrainierten Pflanzen. Dies erweist sich als vorteilhaft bei:

  • Räumlich begrenzten Anbauumgebungen
  • Outdoor-Kultivierung mit Diskretion-Anforderungen
  • Balkon-/Terrassen-Anbau in urbanen Kontexten

4. Verbesserte Luftzirkulation und Pathogen-Prävention

Die flache, offene Kronenstruktur ermöglicht optimalen Luftstrom, was das Risiko von Botrytis cinerea (Grauschimmel) und anderen phytopathogenen Pilzen signifikant reduziert. Dies ist besonders relevant bei Sorten mit dichter Blütenstruktur.

5. Anfängerfreundlichkeit

Im Gegensatz zu präzisionsanspruchsvollen Techniken wie SCROG oder fortgeschrittenen Pruning-Methoden ist LST außerordentlich fehlerverzeihend:

  • Keine irreversiblen Gewebeschädigungen
  • Korrektur von Fehlern jederzeit möglich
  • Minimales Werkzeug-Requirement
  • Anwendbar auf nahezu alle Cannabis-Genetiken

LST-Methode: Wissenschaftlich fundierte Implementierung

Erforderliche Materialien

  • Pflanzenbinder: Weiche Gartendraht-Alternativen, Pflanzenklammern oder spezialisierte LST-Clips
  • Fixierungspunkte: Töpfe mit Drainagelöchern, Holzpflöcke oder selbstklebende Haken
  • Optional: Gartenschere für selektive Defoliation

Wichtig: Vermeiden Sie harte Materialien (Metalldrähte, dünne Schnüre), welche Triebe einschneiden und Gewebe schädigen können. Weiche, flexible Binder mit breiter Auflagefläche sind essentiell.

Optimaler Zeitpunkt für LST-Beginn

LST sollte in der frühen vegetativen Phase initiiert werden:

Idealer Zeitpunkt: Woche 3-4 der vegetativen Phase, wenn:

  • Die Pflanze mindestens 4-6 Nodien (Blattpaare) entwickelt hat
  • Der Haupttrieb eine Höhe von 15-20 cm erreicht hat
  • Die Stängel ausreichend flexibel sind (junge Triebe biegen sich leichter)

Zu früh: Instabile Struktur, erhöhtes Bruchrisiko
Zu spät: Verholzte Stängel, reduzierte Flexibilität, höheres Verletzungsrisiko

LST Schritt-für-Schritt: Detaillierte Anleitung

Phase 1: Initiale Haupttrieb-Manipulation (Woche 3-4 vegetativ)

Schritt 1: Identifikation des optimalen Biegepunkts

  • Wählen Sie einen Punkt am Haupttrieb, der sich 10-15 cm unterhalb der apikalen Spitze befindet
  • Dieser Bereich sollte noch juvenil und flexibel sein (grün, nicht verholzt/braun)

Schritt 2: Erste Biegung (90-Grad-Technik)

  • Biegen Sie den Haupttrieb sanft in einem 90-Grad-Winkel nach unten
  • Bewegen Sie sich langsam – bei Widerstand oder Knackgeräuschen sofort stoppen
  • Fixieren Sie den gebogenen Trieb mit einem weichen Binder an einem Ankerpunkt (Topfrand, Holzpflock)

Kritischer Hinweis: Der Trieb sollte gebogen, nicht geknickt werden. Eine sanfte, gleichmäßige Krümmung ist das Ziel – nicht ein scharfer 90-Grad-Knick.

Schritt 3: Beobachtungsphase (24-48 Stunden)

  • Die apikale Spitze wird sich innerhalb von 24-48 Stunden wieder nach oben orientieren (Phototropismus)
  • Laterale Triebe beginnen verstärktes vertikales Wachstum

Phase 2: Kontinuierliche Manipulation (Woche 4-6 vegetativ)

Schritt 4: Tägliche bis zweitägige Anpassung

  • Überprüfen Sie täglich das Wachstum
  • Neu gewachsene Bereiche des Haupttriebs werden kontinuierlich nach unten gebogen und fixiert
  • Ziel: Eine spiralförmige oder kreisförmige Wachstumsform am Topfrand entlang

Schritt 5: Laterale Triebe trainieren

  • Sobald laterale Triebe 10-15 cm Länge erreichen, werden auch diese horizontal fixiert
  • Positionieren Sie jeden lateralen Trieb so, dass er von benachbarten Trieben wegwächst
  • Ziel: Sternförmige Struktur, bei der alle Triebe vom Zentrum wegwachsen

Schritt 6: Selektive Defoliation (optional)

  • Entfernen Sie große Fächerblätter, welche untere Blütenstände beschatten
  • Maximal 10-20% der Blattmasse pro Woche entfernen (übermäßige Defoliation stresst die Pflanze)

Phase 3: Frühe Blütephase (Woche 1-2 Blüte)

Schritt 7: Stretch-Management

  • In den ersten 2-3 Wochen der Blütephase (12/12 Lichtzyklus) tritt die Stretch-Phase auf (50-100% Wuchszunahme)
  • Setzen Sie LST während dieser Phase fort – neue Triebabschnitte werden kontinuierlich horizontal fixiert
  • Dies ist die kritischste LST-Phase – tägliche Kontrolle empfohlen

Schritt 8: LST-Beendigung

  • Ab Woche 3-4 der Blütephase wird LST eingestellt
  • Die Pflanze konzentriert metabolische Ressourcen auf Blütenentwicklung
  • Binder können entfernt oder belassen werden (belassen reduziert Stress)

Phase 4: Späte Blütephase bis Ernte

Schritt 9: Strukturelle Unterstützung

  • LST-trainierte Pflanzen entwickeln multiple schwere Blütenstände
  • Unterstützen Sie bei Bedarf einzelne Zweige mit Yo-Yos, Bambusstäben oder zusätzlichen Bindern

Schritt 10: Ernte

  • LST-Pflanzen zeigen homogenere Trichom-Reife über sämtliche Blütenstände
  • Ernten Sie, wenn 80-90% der Trichome milchig-trüb erscheinen

LST-Varianten: Advanced Techniques

1. Standard LST (beschrieben oben)

Haupttrieb wird horizontal gebogen, laterale Triebe werden radial angeordnet. Optimal für die meisten Anwendungen.

2. LST + Topping Kombination

Der Haupttrieb wird in Woche 3 getoppt, anschließend werden die resultierenden zwei Haupttriebe mittels LST trainiert. Diese Kombination erzeugt 4-8 gleichwertige Hauptcolas.

Vorteil: Höhere Ertragssteigerung (25-35%)
Nachteil: 3-7 Tage Wachstumsstillstand nach Topping

3. Mainlining (LST + symmetrisches Topping)

Fortgeschrittene Technik, die wiederholtes symmetrisches Topping mit LST kombiniert, um exakt 8, 16 oder 32 identische Colas zu erzeugen.

Vorteil: Maximale Homogenität, spektakuläres Erscheinungsbild
Nachteil: Verlängerte vegetative Phase (8-10 Wochen), höhere Komplexität

4. LST für Autoflowering-Sorten

Autoflowering-Cannabis reagiert sensitiv auf High-Stress-Techniken. LST ist die einzige empfohlene Training-Methode für Autos:

  • Früherer Beginn: Woche 2 (Autos haben kürzere vegetative Phase)
  • Sanftere Biegung: Autoflowering-Genetiken sind fragiler
  • Kürzere Training-Dauer: LST endet mit Blütenbeginn (Woche 3-4 ab Keimung)

Die besten Cannabis-Sorten für LST

Während LST auf nahezu alle Cannabis-Genetiken anwendbar ist, zeigen bestimmte Sorten außergewöhnliche Resultate:

Ideale morphologische Charakteristika

  • Flexible Stängel: Nicht übermäßig verholzt oder rigide
  • Moderate Internodien-Distanz: 5-10 cm optimal (nicht zu gestreckt, nicht zu kompakt)
  • Ausgeprägte Lateralverzweigung: Genetiken mit natürlich vielen Seitentrieben profitieren maximal
  • Moderate bis hohe Stretch-Tendenz: Stretch bietet mehr Material für LST-Manipulation

LST-Champions: Top 3 Empfehlungen

1. Blueberry – Der anfängerfreundliche LST-Klassiker

  • Begründung der Eignung: Außergewöhnlich flexible Stängel, moderate Wuchshöhe (100-120 cm untrainiert), ausgeprägte Seitenverzweigung
  • LST-Ertrag: 400-500 g/m² (gegenüber 300-350 g/m² untrainiert)
  • Besonderheit: Indica-dominante Genetik mit natürlich buschiger Struktur – LST verstärkt diese Eigenschaft optimal. Ideal für erste LST-Versuche aufgrund hoher Fehlertoleranz
  • Aromatik: Authentisches Blaubeer-Terpenprofil bleibt bei LST vollständig erhalten

2. GMO Cookies – High-Potency mit LST-Optimierung

  • Begründung der Eignung: Moderate Stretch-Phase, exzellente Seitenverzweigung, 28-32% THC-Potenzial
  • LST-Ertrag: 450-550 g/m²
  • Besonderheit: LST maximiert die Lichtexposition für die außergewöhnlich harzreichen Blütenstände. Ohne Training neigt GMO Cookies zu ungleichmäßiger Kronenentwicklung – LST korrigiert dies perfekt
  • Medizinisches Potenzial: Extreme Potenz kombiniert mit erhöhten Erträgen macht GMO Cookies zur Premium-Wahl für therapeutische Anwendungen

3. Fast Flowering – Schnelle Ernten mit LST-Boost

  • Begründung der Eignung: Verkürzte Blütezeit (6-7 Wochen), responsive gegenüber Training, kompakte Struktur
  • LST-Ertrag: 350-450 g/m²
  • Besonderheit: LST kompensiert die natürlich kompakte Wuchsform von Fast-Flowering-Genetiken. Die Ertragssteigerung durch LST ist bei diesen Sorten besonders ausgeprägt (bis zu 30%), da die kurze Blütezeit sonst limitierend wirkt
  • Zeitvorteil: Seed-to-Harvest in nur 10-11 Wochen bei optimierten Erträgen – ideal für schnelle Rotationen

LST-Zeitplan: Beispiel mit Blueberry

Gesamtdauer Seed-to-Harvest: 12-14 Wochen

Entwicklungsphase Zeitdauer LST-Maßnahmen
Keimung 3-7 Tage Keine Intervention
Vegetativ Woche 1-2 2 Wochen Konventionelles Wachstum
Vegetativ Woche 3 1 Woche LST-Beginn: Erste 90-Grad-Biegung des Haupttriebs
Vegetativ Woche 4-5 2 Wochen Tägliche Anpassung: Haupttrieb spiralförmig fixieren
Vegetativ Woche 6 1 Woche Laterale Triebe horizontal trainieren
Blüte Woche 1-2 2 Wochen Stretch-Management: LST fortsetzen
Blüte Woche 3-8 6 Wochen LST beenden, strukturelle Unterstützung bei Bedarf
Ernte 400-500 g/m²

Die besten Cannabis-LST-freundliche Sorten: Flexible Stängel, maximale Erträge

Der Erfolg von LST beginnt mit der richtigen Genetik. Diese Sorten zeigen außergewöhnliche Flexibilität, verzeihen Anfängerfehler und reagieren optimal auf Training. Mit diesen bewährten Genetiken erzielen Sie messbar höhere Erträge – ohne Wachstumsverzögerung, ohne Stress. Investieren Sie in professionelle Samen für garantierte LST-Erfolge.

Häufige LST-Fehler und Vermeidungsstrategien

Fehler 1: Übermäßige Biegung (Stängelbruch)

Problematik: Zu aggressives Biegen führt zu Stängelbruch oder -riss
Prävention: Langsame, graduelle Biegung. Bei Widerstand stoppen. Juveniles Gewebe ist flexibler als verholztes
Notfallmaßnahme bei Bruch: Gebrochene Stelle mit Pflanzenband oder Klebeband stabilisieren – Cannabis zeigt ausgeprägte Regenerationsfähigkeit

Fehler 2: Zu später LST-Beginn

Problematik: Verholzte Stängel in später vegetativer Phase sind rigide und brechen leichter
Korrektur: LST spätestens Woche 4 vegetativ initiieren. Bei älteren Pflanzen auf sanftere Techniken wie selektive Defoliation ausweichen

Fehler 3: Verwendung ungeeigneter Binder

Problematik: Harter Draht oder dünne Schnüre schneiden in wachsendes Gewebe ein
Lösung: Ausschließlich weiche, breite Binder verwenden (Pflanzenklammern, Gartendraht mit Kunststoffummantelung, spezielle LST-Clips)

Fehler 4: Insuffiziente Fixierung

Problematik: Locker gebundene Triebe richten sich wieder vertikal aus
Lösung: Binder straff fixieren, jedoch ohne Gewebe einzuschnüren. Regelmäßige Kontrolle (alle 2-3 Tage)

Fehler 5: LST bei Autoflowering-Sorten zu spät

Problematik: Autos haben extrem kurze vegetative Phase (2-3 Wochen) – zu spätes LST ist wirkungslos
Korrektur: LST bei Autoflowering bereits Woche 2 initiieren

Fehler 6: Übermäßige Defoliation

Problematik: Entfernung von >30% Blattmasse stresst die Pflanze und reduziert Photosynthese-Kapazität
Lösung: Maximal 10-20% der Blattmasse pro Woche entfernen, ausschließlich große beschattende Fächerblätter

LST vs. andere Training-Techniken: Wissenschaftlicher Vergleich

Methode Ertragssteigerung Wachstumsverzögerung Schwierigkeit Gewebeschädigung Beste Anwendung
LST 15-30% 0 Tage Niedrig Keine Anfänger, alle Sorten
Topping 20-40% 3-7 Tage Niedrig-Mittel Moderat Photoperiodische Sorten
FIM 15-35% 3-5 Tage Mittel Moderat Experimente
SCROG 30-50% 0 Tage Hoch Keine Indoor, erfahrene Grower
Lollipopping 5-15% 1-2 Tage Niedrig Moderat Kombination mit anderen Techniken
Supercropping 10-25% 2-5 Tage Mittel-Hoch Hoch (intentional) Fortgeschrittene

LST für spezielle Anbau-Szenarien

1. LST bei limitiertem Vertikalraum

Szenario: Grow-Box mit nur 120-150 cm Höhe

Strategie:

  • Früher LST-Beginn (Woche 2-3)
  • Aggressive horizontale Fixierung (Haupttrieb nahezu parallel zum Boden)
  • Kurze vegetative Phase (4 Wochen maximal)
  • Kombination mit SOG (Sea of Green) – viele kleine LST-trainierte Pflanzen

Resultat: Pflanzenhöhe von 40-60 cm bei Ernte trotz normaler Genetik

2. LST für Outdoor-Diskretion

Szenario: Balkon-/Terrassen-Anbau in urbaner Umgebung

Strategie:

  • Radiale LST-Anordnung (Pflanze wächst horizontal auseinander statt vertikal)
  • Verwendung großer, flacher Töpfe (40-60 Liter, niedrige Bauform)
  • Kombination mit niedrig-wachsenden Genetiken (Indica-dominant)

Resultat: Buschige, niedrige Pflanzen, die als „normale“ Gartenpflanzen erscheinen

3. LST für maximale Sonnen-Exposition (Outdoor)

Szenario: Outdoor-Anbau in nördlichen Breitengraden mit limitierter Sonneneinstrahlung

Strategie:

  • Süd-orientierte LST-Ausrichtung (alle Triebe nach Süden gebogen)
  • Flache Kronenstruktur maximiert Lichtabsorption bei niedrigem Sonnenstand
  • Kombination mit reflektierenden Oberflächen (weiße Wände, Mylar-Folien)

Resultat: Optimierte Lichtnutzung in suboptimalen Klimazonen

4. LST für Guerilla-Growing

Szenario: Abgelegene Outdoor-Kultivierung mit minimaler Wartung

Strategie:

  • LST-Vorbereitung während Veg-Phase indoor (4-6 Wochen)
  • Auspflanzen mit bereits trainierter Struktur
  • Keine weitere LST-Wartung nach Auspflanzen (zu riskant)
  • Sorten-Wahl: Robuste, schimmelresistente Genetiken

Resultat: Diskrete, niedrige Pflanzen mit optimierter Kronenstruktur trotz minimaler Wartung

LST und deutsches Cannabis-Gesetz (CanG)

Das Cannabis-Gesetz (CanG) gestattet seit April 2024 volljährigen Personen die Kultivierung von maximal drei Cannabis-Pflanzen. LST erweist sich als optimale Technik für diese Limitierung:

  • Maximale Ausbeute: Drei LST-trainierte Pflanzen können 300-500 g produzieren (ausreichend für persönlichen Jahresbedarf bei moderatem Konsum)
  • Anfängerfreundlichkeit: Perfekt für Erst-Grower unter dem neuen Gesetz
  • Diskretion: LST reduziert Wuchshöhe – relevant für Balkon-/Terrassen-Anbau
  • Fehlertoleranz: Keine irreversiblen Fehler – wichtig bei begrenzter Pflanzenzahl

Rechtlicher Hinweis: Cannabis-Samen werden als Sammlerobjekte vertrieben. Informieren Sie sich über die aktuellen gesetzlichen Bestimmungen in Ihrer Region.

Wissenschaftliche Studien zu LST

Während spezifische peer-reviewed Studien zu LST bei Cannabis limitiert sind (aufgrund historischer Prohibition), existieren umfangreiche wissenschaftliche Erkenntnisse aus verwandten Bereichen:

Phototropismus und Apikale Dominanz

Die hormonelle Regulation der apikalen Dominanz ist in der Pflanzenphysiologie gut dokumentiert. Auxine (primär Indol-3-essigsäure/IAA) werden im apikalen Meristem synthetisiert und unterdrücken die Entwicklung lateraler Knospen durch basipetalen Transport. Mechanische Manipulation (LST) reduziert diese hormonelle Konzentration in lateralen Bereichen, was Verzweigung stimuliert (Auxin and Apical DominanceNCBI).

Lichtverteilung und Photosynthese-Effizienz

Das Inverse-Square-Law beschreibt den exponentiellen Abfall der Lichtintensität mit zunehmender Distanz. LST minimiert Distanz-Variationen zwischen Blattflächen und Lichtquelle, was zu homogenerer PPFD-Verteilung führt. Dies resultiert in erhöhter photosynthetischer Effizienz über das gesamte Pflanzenmaterial.

LST-Equipment: Professionelle Empfehlungen

Pflanzenbinder: Materialvergleich

Material Vorteile Nachteile Preis
Pflanzen-Draht (gummiert) Wiederverwendbar, formbar, haltbar Kann bei Überspannung einschneiden 5-10€/50m
Velcro-Pflanzenband Sehr weich, verstellbar, kein Einschneiden Teurer, weniger haltbar 8-15€/10m
LST-Clips (Plastik) Spezialdesign, einfache Handhabung Einmalverwendung, Plastik-Müll 10-20€/50 Stück
Schnur/Jute Sehr günstig, biologisch abbaubar Kann einschneiden, begrenzte Haltbarkeit 3-5€/100m

Empfehlung: Gummierter Pflanzendraht bietet das beste Preis-Leistungs-Verhältnis für wiederholte Anwendungen.

Fixierungspunkte: Kreative Lösungen

  • Töpfe mit Drainage-Löchern: Idealerweise Fabric Pots (Stofftöpfe) mit integrierten Fixierungspunkten
  • Selbstklebende Haken: Anbringung am Topfrand (3-5€ für 10 Stück)
  • Holzpflöcke: In Erde gesteckt (sehr stabil für schwere Triebe)
  • DIY-Lösungen: Drahtgitter-Ring um den Topf, Kabelbinder durch Drainage-Löcher

Fortgeschrittene LST: Kombination mit anderen Techniken

LST + Topping = Optimale Balance

Protokoll:

  1. Woche 3 vegetativ: Topping oberhalb 4.-5. Nodium
  2. Woche 4-5: Die zwei resultierenden Haupttriebe werden mittels LST in entgegengesetzte Richtungen gebogen
  3. Woche 5-6: Laterale Triebe werden ebenfalls LST-trainiert

Resultat: 6-12 gleichwertige Hauptcolas, Ertragssteigerung 25-35%

LST + SCROG = Maximum Yield

Protokoll:

  1. Woche 3-5 vegetativ: LST-Vorbereitung für flache Kronenstruktur
  2. Woche 5: SCROG-Netz installieren
  3. Woche 5-7: LST-trainierte Triebe durch SCROG-Netz weben

Resultat: Kombination der Vorteile beider Techniken – bis zu 50% Ertragssteigerung möglich

LST + Lollipopping = Qualitäts-Fokus

Protokoll:

  1. Standard-LST während vegetativer Phase
  2. Woche 2-3 Blüte: Entfernung aller Triebe und Blätter im unteren Drittel der Pflanze (Lollipopping)

Resultat: Fokussierung der Ressourcen auf top-quality Colas, homogenere Blütenqualität

Fazit: LST als universelle Basis-Technik

Low Stress Training stellt die anfängerfreundlichste und universell anwendbarste Anbautechnik im Cannabis-Kultivierungsbereich dar. Die Methode kombiniert:

  • Signifikante Ertragssteigerung (15-30%)
  • Null Wachstumsverzögerung
  • Hohe Fehlertoleranz
  • Minimales Equipment-Requirement
  • Anwendbarkeit auf alle Genetiken

Für Erst-Grower unter dem neuen Cannabis-Gesetz (CanG) ist LST die empfohlene Einstiegstechnik: Sie maximiert die Ausbeute aus drei erlaubten Pflanzen, ohne das Risiko irreversibler Fehler einzugehen.

Für fortgeschrittene Grower dient LST als Basis-Technik, die mit anderen Methoden (Topping, SCROG, Lollipopping) kombiniert werden kann, um Spitzenerträge zu erzielen.

Empfehlung: Beginnen Sie mit einer LST-freundlichen Sorte wie Blueberry, investieren Sie in qualitatives Binder-Material (gummierter Pflanzendraht) und starten Sie mit konservativen Biegungen. Mit zunehmender Erfahrung werden Sie die optimalen LST-Parameter für Ihre spezifischen Genetiken und Anbau-Bedingungen entwickeln.

Perfekt für Ihren ersten LST-Versuch: Diese Sorten verzeihen Fehler

LST-Einsteiger aufgepasst: Diese drei Sorten sind außergewöhnlich fehlerverzeihend und ideal für erste Training-Versuche. Flexible Stängel brechen nicht bei sanftem Biegen, natürliche Verzweigung erleichtert das Training, und die Erträge übertreffen untrainierte Pflanzen deutlich. Starten Sie Ihr LST-Projekt mit Genetiken, die für Erfolg gezüchtet wurden.

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